Aktionstage Hypoglykämie - Warum Unterzucker gefährlich werden kann

Ärzteverbund Oberpfalz-Nord informiert seit dem 15. Oktober in den Arztpraxen über Hypoglykämie

Der Mensch kann schnell in Unterzucker geraten: Er hat zu wenig gegessen, zu viel Alkohol getrunken, sich überanstrengt, ist bei großer Hitze unterwegs oder hat – als Diabetiker – bei der Insulin-Dosis nicht aufgepasst. Auch im Schlaf können Sie in Unterzucker geraten: wer morgens unruhig aufwacht, durchgeschwitzt ist, Kopfschmerzen hat, kann im Unterzucker (gewesen) sein (Fachbegriff: Hypoglykämie).

Schätzungen gehen von acht Millionen Diabetikern in Deutschland aus. Damit hätte jeder Zehnte diese Zuckerkrankheit. Bei der Behandlung von Diabetes müssen die Patienten dann und wann mit Unterzuckerung (Hypoglykämie) rechnen. Sie entsteht, wenn der Insulinmenge im Blut keine ausreichende Menge Blutzucker (Glukose) gegenübersteht. In diesem Fall senkt Insulin die Blutzuckerkonzentration so stark ab, dass die Funktionsfähigkeit der Zellen eingeschränkt wird. „Das macht sich durch Herzklopfen, Heißhunger, Reizbarkeit, Seh- und Konzentrationsstörungen, Zittern oder Schwitzen bemerkbar“, erläutert der Internist und Diabetologe Dr. Georg Aderbauer aus Weiden.

Wer regelmäßig in Unterzucker gerät, riskiert, dass sich der Organismus im Laufe der Zeit an zu niedrige Blutzuckerkonzentrationen gewöhnt. Dann bleiben typische Symptome wie Schwitzen oder Zittern aus, und der Diabetiker erkennt die Unterzuckerung nicht rechtzeitig. Es gibt Hinweise, dass unbehandelte schwere Unterzuckerungen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und langfristig das Gehirn schädigen. Damit steigt auch das Risiko, an Demenz zu erkranken.

„Wer den Unterzucker spürt und sich noch selbst helfen kann, sollte Traubenzucker, Gummibärchen oder ein Stück Brot essen“, rät Dr. Aderbauer. „Auch ein Glas Fruchtsaft hilft. Die Getränke sollten aber keinen Süßstoff enthalten.“Der Arzt rät allerdings ab von Schokolade, „denn das darin enthaltene Fett verhindert eine rasche Zucker-Aufnahme.“ Autofahrer sollten auf längeren Fahrten etwas zu essen und zu trinken dabei haben. Diabetiker sollten vor Fahrtantritt den Blutzucker messen und dies alle zwei Stunden wiederholen. So können Sie bei einem Unfall nachweisen, dass der Blutzucker gut eingestellt war.

Wer schwer unterzuckert ist, braucht Hilfe von außen, ist meist bewusstlos. Einflößen sollten die Helfer nicht, sonst droht Erstickungsgefahr. Am besten wird ein Rettungsdienst verständigt. Eine Spritze bringt die Patienten rasch wieder zu Bewusstsein. Eine mehrstündige Überwachung danach ist sinnvoll.

In Weiden werden ab Oktober die Medizinischen Fachangestellten (MFA) in den Arztpraxen sowie deren Diabetes-Patienten im Raum des Ärzteverbundes Oberpfalz-Nord zum Thema Unterzucker sensibilisiert. Am 15. Oktober fand die Auftaktveranstaltung der Hypoglykämie-Aktion in Weiden statt, bei der die Diabetesberaterin Judith Arnold-Schneider medizinische und praktische Hintergründe erläuterte und das Praxispersonal geschult wurde. Die Patienten erhalten ab dem gleichen Zeitraum bei ihrem Arzt einen Fragebogen mit unspezifischen Symptomen, die die Kennzeichen der Unterzuckerung vor Augen führen. So können Hypoglykämie-Fälle neu entdeckt werden.

Im Bedarfsfall werden Patienten zu einem aktuellen Blutzucker-Protokoll ermuntert. Am Mittwoch, 26. November, leitet die Diabetesberaterin Regina Timmler-Berger ein Patientenseminar. Der Ärzteverbund Oberpfalz-Nord (AEVON) konzentriert medizinische Kompetenz in der Region. Ziel des Netzes ist, das Bewusstsein für die eigene Gesundheit zu schärfen, Prävention und Behandlung zu bündeln. AEVON bietet Firmen auch Aufklärung für Mitarbeiter sowie Fortbildungen an.