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19.12.2013 Kategorie: Frauenheilkunde

Pille und Rauchen

Oft übersehene Risiken

Wenn Sie die bahnbrechendste Errungenschaft des 20. Jahrhunderts nennen müssten, die die westlichen Industrieländer am meisten verändert hat, was wäre Ihre Antwort? Auto, Fernsehen, Computer oder Handy?

Diese Güter haben zwar einen bedeutenden Einfluss auf Wirtschaft und Handel, jedoch eine Erfindung mit weitreichenden Folgen wird häufig übersehen. Es ist die Antibabypille, die 1960 auf den Markt kam. In dieser Zeit hat sich die Rolle der Frauen grundlegend verändert.

Bis in die 1960er Jahre galt in Deutschland gemäß dem Leitbild der Familienpolitik die Rolle der Hausfrau und Mutter als der "natürliche Beruf der Frau". So wurde in der Einleitung zum Gleichberechtigungsgesetz von 1957 festgeschrieben: "Es gehört zu den Funktionen des Mannes, dass er grundsätzlich der Erhalter und Ernährer der Familie ist, während die Frau es als ihre vornehmste Aufgabe ansehen muss, das Herz der Familie zu sein."

Im Juni 1961 kam in Deutschland die Pille auf den Markt. Sie wurde zuerst als Medikament gegen Menstruationsbeschwerden eingesetzt, auf die empfängnisverhütende Wirkung wurde nur beiläufig als "Nebenwirkung" hingewiesen. Nur verheiratete Frauen bekamen das Medikament.

Das ist lange her und es denkt kaum noch jemand an diese Anfänge. Heutzutage ist es ganz normal, mit der Pille zu verhüten, mehr als 80 Millionen Frauen weltweit greifen zu der Pille, davon ca. 7 Millionen in Deutschland.

Obwohl diese Art der Empfängnisverhütung zu den sichersten Methoden zählt, dürfen die Nebenwirkungen nicht außer Acht gelassen werden.

"Die größte Gefahr liegt in der Kombination Pille und Rauchen.", sagt Frau Dr. Kurkowski, Gynäkologin aus Nittendorf. "Östrogenhaltige Kontrazeptiva erhöhen das Thrombose-Risiko. Die Blutgefäße verengen sich und können von Blutgerinnseln verstopft werden. Das betroffene Gewebe wird dann nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Die Folgen können ein Herzinfarkt, Lungenembolie oder Schlaganfall sein, auch schon in jungen Jahren. Das Thrombose-Risiko ist vor allem im ersten Jahr nach Start der Pillen-Einnahme erhöht. Wer bereits seit Jahren die Pille nimmt, ist deutlich weniger gefährdet. Nach der derzeitigen Datenlage bekommen drei von 10000 Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren jährlich eine Venenthrombose, die manchmal auch tödlich endet.", warnt die Ärztin.

Infarkte jüngerer Frauen stellten beinahe schon ein "Alltagsproblem" dar, das aber seltsamerweise in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Verdrängen ist aber nicht die Lösung!

"Ich kläre meine Patientinnen eindringlich über die Wechselwirkung Rauchen und Pille auf und stehe natürlich mit Rat und Tat zur Seite." Wer es spätestens bis zum 35. Lebensjahr nicht geschafft hat, auf die Zigaretten zu verzichten, sollte überlegen, ob es nicht Alternativen zur Pille gibt. Denn dann erhöht sich das Thromboserisiko noch einmal um ein Vielfaches.