| ZDF Frontal 21: Bezahlung für ambulante Medizin ungerecht |
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20.01.2009
Bildquelle imago
Ärzte klagen über Honorarverluste als Folge der Vergütungsreform.
Ungerechte ÄrztehonorareStreit zu Lasten der PatientenSeit Jahresbeginn gibt es Chaos und Streit um die jüngste Honorarreform für niedergelassene Ärzte: Viele Mediziner hatten sich mehr Geld erhofft, stattdessen klagen sie nun über erhebliche Einkommenseinbußen. Einige von ihnen rechnen deshalb bereits mit Einschnitten bei der Patientenversorgung. Neue Regelungen sollen nun das Schlimmste verhindern.
Leonhard Hansen fürchtet ein Praxissterben.
Honorarreform sorgt für ChaosDas bleibt nicht ohne Auswirkungen: "Wir erleben inzwischen, dass Praxen Kurzarbeit anmelden", sagt Leonhard Hansen, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. 20 Prozent der Praxen seien in ihrer Existenz bedroht. Genauso ergeht es Chirurgen, Augenärzten, Gynäkologen und Urologen auch in anderen Bundesländern. Einige Ärztegruppen hatten zeitweise sogar angedroht, Kassenpatienten nur gegen Privatrechnung und nicht mehr gegen Vorlage der Chipkarte zu behandeln.
So sorgt die Honorarreform, die ursprünglich als großer Wurf gedacht war, nur wenige Tage nach ihrem Start für Chaos und Verunsicherung bei Ärzten und Patienten. Dabei sollte das neue Vergütungssystem die Bezahlung der Ärzte deutlich verbessern und endlich das alte, undurchsichtige Punktesystem ablösen. So gelten von diesem Jahr an für alle Fach- und Hausarztpraxen einheitlich in ganz Deutschland so genannte Regelleistungsvolumen. Jede Praxis erhält eine individuelle Berechnung ihres Regelleistungsvolumens. Außerdem gibt es Vorgaben für die Zahl der Patienten.
"Ich kann nicht 200 Patienten abweisen"Das aber bringt viele Ärzte in Schwierigkeiten. "Ich darf also nicht mehr, wie bisher, 1500 bis 1600 Patienten im Quartal behandeln, sondern nur noch 1332 Patienten. Das wurde mir Knall auf Fall Mitte Dezember mitgeteilt", erzählt der Allgemeinmediziner Dr. Herwart Bachmann. Für die darüber liegende Patientenzahlen bekomme er dann immer weniger bis hin zum "Null-Honorar". Das stehe aus seiner Sicht im Widerspruch zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung und zur freien Ärztewahl, ärgert sich Bachmann. "Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie ich 200 Patienten abweisen und denen dabei noch ins Gesicht schauen soll."
Einige Fachärzte befürchten Einschnitte bei der Patientenversorgung.
Zudem bemängeln Ärzte wie Dr. Bachmann, dass die von den Kassenärztlichen Vereinigungen zugewiesenen Pauschalbeträge für das Quartal viel zu niedrig angesetzt seien. Für ein Langzeit-EKG beispielsweise erhält er einen Euro. Doch dafür muss er etwa 30 Minuten aufwenden. Das sei wirtschaftlich nicht mehr vertretbar, so Bachmann.
Angleichung der HonorareMediziner müssen Umsatzeinbußen in Kauf nehmen, das weiß auch Hansen. "Wenn man sich anschaut, dass das Gros der Ärzte, angefangen beim Hausarzt, Gynäkologen, Hautarzt, HNO-Arzt, mit einem Quartalshonorar für die Basisversorgung zwischen 15 bis 30 Euro (pro Patient) auskommen muss, dann deckt das auf, wie wenig ärztliche Leistung offensichtlich nur noch wert sind."
Doch wo sind dann die zusätzlichen Milliarden geblieben? Ein Teil des Geldes fließt in die ostdeutschen Bundesländer. Hier wurden die Honorare der niedergelassenen Mediziner teilweise deutlich angehoben, Doch welche Arztgruppen von dem Geldsegen profitiert haben und in welcher Höhe, lässt sich derzeit nicht ermitteln. In Westdeutschland sind die Honorare nur sehr gering oder gar nicht gestiegen.
Zusätzliches Geld gibt es nichtUm mögliche Verluste zu begrenzen, haben sich Spitzenvertreter der Kassen und Ärzte inzwischen auf eine Anpassungsphase bis Ende kommenden Jahres geeinigt. Bis zum Start jetzt im April soll nun ermittelt werden, welche Arztgruppen von erheblichen Einnahme-Einbußen betroffen sind und wie ein Ausgleich aussehen kann. Zusätzliches Geld soll es aber nicht geben. Neue Regelungen sehen vor, die Honorarzuwächse bei den größten Gewinnern zu begrenzen und bei den größten Verlierern zu bremsen. Spätestens Ende 2010 soll sich das neue Honorarsystem dann aber eingespielt haben. |
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